Domaintransfer außer Kontrolle: 5 Tage, die alles verändert haben

Domaintransfer außer Kontrolle: 5 Tage, die alles verändert haben

Technische Information

Der AuthCode (auch AuthInfo genannt) ist ein Sicherheitscode, den man beim Umzug einer Domain von einem Anbieter zu einem anderen benötigt, um zu bestätigen dass man zur Übertragung der Domain berechtigt ist.

Diese Informationen übermittelt man an den neuen Anbieter (Registrar), der damit den Domaintransfer beim zuständigen Registry-Betreiber anstößt. Bei internationalen Domainendungen wie .pro gelten dabei die von ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) festgelegten Transferregeln.

Nachdem der Domaininhaber den Transfer beim neuen Registrar beauftragt und die erforderliche Autorisierung erteilt hat, wird der weitere Vorgang zwischen den beteiligten Registraren und dem zuständigen Registry-Betreiber abgewickelt. Der Auftraggeber muss in diesem Prozess grundsätzlich keine weiteren Schritte durchführen. Bei ICANN-geregelten Transfers kann der Transfer innerhalb von fünf Kalendertagen abgeschlossen werden, sofern der bisherige Registrar kein NACK (Ablehnung) an den Registry-Betreiber übermittelt. Erfolgt innerhalb dieser Frist kein NACK, wird der Transfer automatisch durchgeführt.

Ein Domaintransfer kann technisch innerhalb weniger Minuten erfolgen: Die Kommunikation zwischen den Registraren und dem Registry-Betreiber läuft weitgehend automatisiert und erfordert normalerweise keine manuelle Bearbeitung.

Reagiert der bisherige Registrar auf eine Transferanfrage überhaupt nicht, ist das ein ungewöhnlicher und für den Kunden problematischer Fall: Bei einem regulären Transferverfahren ist vorgesehen, dass der bisherige Registrar innerhalb der dafür festgelegten Frist reagieren und einen Transfer gegebenenfalls ablehnen kann. Bleibt eine solche Reaktion aus, wird der Transfer -wie bei ICANN-geregelten Domains vorgesehen - nach Ablauf der Frist automatisch durchgeführt.

Das Ausbleiben einer Reaktion ist damit keineswegs eine neutrale Handlung: Es kann den Kunden zunächst in eine unklare Situation bringen, weil er keine aktive Rückmeldung zu seinem Transfer erhält, während der technische Prozess gleichzeitig weiterläuft. Entscheidend ist deshalb: Auch wenn der Kunde die Domain ausdrücklich zu einem anderen Anbieter übertragen möchte, sollte der bisherige Registrar den Transfer ordnungsgemäß bearbeiten und nicht schlicht unbeantwortet lassen.

Mein konkreter Fall

In meinem Fall verhielt sich der bisherige Registrar tatsächlich völlig passiv und reagierte nicht auf die Transferanfrage. Dadurch geriet mein Kunde in eine prekäre Situation, da er zwischenzeitlich keinen Zugriff auf seine E-Mails hatte. Da ich auf den laufenden Transfer keinen weiteren Einfluss nehmen konnte, setzte er sich mit seinem bisherigen Provider in Verbindung und entschied sich zunächst für eine Verlängerung des Vertrags, um die Situation zu bereinigen.

Währenddessen lief der technische Transferprozess weiter. Statt den Transfer abzulehnen und ein NACK an den Registry-Betreiber zu senden, blieb eine Reaktion des bisherigen Registrars weiterhin aus. Nach den ICANN-Transferregeln führt dieses Ausbleiben einer Reaktion dazu, dass der Registry-Betreiber den Transfer nach Ablauf von fünf Kalendertagen automatisch abschließt. Die Domain wurde somit trotz der zwischenzeitlichen Vertragsverlängerung an den neuen Registrar übertragen.

Wir haben nun folgende, für alle Beteiligten äußerst unglückliche Situation:

  • Der Kunde hatte fünf Tage lang keinen Zugriff auf seine E-Mails.
  • Der Kunde hatte zwischenzeitlich einen Vertrag mit seinem ursprünglichen Registrar verlängert – einen Vertrag, dessen vereinbarte Leistungen dieser nach dem erfolgten Domaintransfer zumindest hinsichtlich der Domain nicht mehr wie vorgesehen erbringen kann.
  • Auf beiden Seiten entstand dadurch erheblicher Stress und ein Gefühl völliger Hilflosigkeit, da der laufende technische Transfer nicht mehr unmittelbar beeinflusst werden konnte.
  • Ich muss nun einen Vertrag erfüllen, den der Kunde unter den inzwischen eingetretenen Umständen möglicherweise gar nicht mehr in Anspruch nehmen möchte.
  • Gleichzeitig entstehen mir Kosten für den bereits durchgeführten Domaintransfer, während die Frage der Kostenübernahme beziehungsweise Bezahlung zunächst ungeklärt ist.
  • Durch den erfolgten Registrarwechsel kann ein weiterer Transfer grundsätzlich erst nach Ablauf der von ICANN vorgesehenen 60-Tage-Frist durchgeführt werden.

Damit ist der Vorgang keineswegs mit dem Abschluss des Transfers beendet. Im Gegenteil: Aus einem technisch weitgehend automatisierten Vorgang sind nun vertragliche und wirtschaftliche Folgefragen entstanden, die zwischen den Beteiligten geklärt werden müssen. Und damit bleibt vor allem eine Frage offen: Warum sollte ein standardisierter, automatisierter Prozess, der technisch innerhalb kürzester Zeit abgewickelt werden kann, eine derart weitreichende Kette von Problemen auslösen?

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