Windows Telemetrie aushebeln

Erstellt von Markus Stenzel |

Die Windows-Telemetrie ist ein ständiges Ärgernis. Zahlende Microsoft-Kunden auf dem europäischen Kontinent wünschen nicht, dass Microsoft statistische Daten überträgt, die den Anwender potentiell identifizierbar machen. Das vollständige Ausschalten der Telemetrie genannten Funktionen ist aber nur unter Windows Enterprise und Education möglich. Wir versuchen hier, der Sache so gut wie möglich an den Kragen zu gehen...!

Die Empörung ist auf den europäischen Kontinent beschränkt. Telemetrie-Datenerfassung ist in den datenschutzarmen Ländern wie den USA in der Öffentlichkeit überhaut kein Thema. Daher ist auch nicht damit zu rechnen, daß Microsoft im Privatkundenbereich einbricht und die vollständige Entfernung der Telemetriefunktionen gestattet, denn Microsoft ist ein "uramerikanischer" Konzern.

Mit der Einführung der Endverbraucherversionen von Windows 10 gestattet Microsoft nicht mehr die Deinstallation einzelner Updates, die Telemetriefunktionen nachrüsten. Dies geschieht unpraktischerweise ohne Erlaubnis oder Information des Anwenders.

Unter Windows 7 geschah die Datensammlung durch den Dienst "Diagtrack", später wurde unter Windows 7 und 8.1 ein Zusatzprogramm namens CompatTelRunner.exe installiert und durch die Windows Aufgabenplanung regelmäßig aufgerufen. CompatTelRunner durchsucht die gesamte Festplatte nach Software und schreibt diese in eine interne Datenbank. Dies verursacht eine Auslastung der Festplatte zwischen 70% und 100% und bremst damit das Windows-System genadenlos aus.

Ein weiterer Dienst namens WinSAT.exe verhält sich ähnlich, wenn auch weniger aggressiv. WinSAT mißt die Leistung von Festplatte und Recheneinheiten, um daraus statistische Informationen zu erstellen.

Weder Diagtrack, noch WinSAT oder der CompatTelRunner sind vom Endanwender gewünschte Programme. Sind die ersten beiden völlig nutzlos, hat der CompatTelRunner noch eine sinnvolle Funktion, wenn er kurz vor einem der zweimal im Jahr erscheinenden "Windows 10 Funktionsupdates" ausgeführt wird. Er sucht nach potentiell inkompatibler Software und verweigert bei Fund das Update auf die neueste Windows-Version. Gerade Anwender mit älteren Computern werden diese Funktion kurz vor einem Update zu schätzen wissen: Während moderne, nagelneue Rechner für Windows 10 vorbereitet sind, können alte Rechner veraltete Hardware enthalten, die nicht mit neuen Versionen von Windows 10 kompatibel sind. Das kann zum Beispiel dazu führen, daß das WLAN nach dem Update schlicht und einfach den Geist aufgibt.

Die Daten werden schließlich an folgende Microsoft-Adresse gesendet: *.metron.live.com.nsatc.net. Diese Adressen in der HOSTS-Datei zu blockieren hat aber keinen Sinn, denn hier ignoriert Microsoft seine Konfiguration!

Um die Telemetrie-Datenerfassung nun auszuhebeln, müssen folgende Dinge getan werden:

  1. Die Dienste "Diagtrack", "diagnosticshub.standardcollector.service" und "dmwappushservice" müssen deaktiviert,
  2. acht verschiedene Tasks in der Aufgabenplanung, die zum "Customer Experience Improvement Programm" oder zur Gruppe "Application Experience" gehören, müssen deaktiviert,
  3. schließlich die Datei CompatTelRunner.exe umbenannt werden und
  4. schlußendlich die Policy "DataCollection::AllowTelemetry" in der Registrierung auf "falsch" gesetzt werden.

Zum dritten Punkt ist zu bemerken, dass die Datei CompatTelRunner.exe zum Benutzer SYSTEM gehört, also zur höchsten Instanz des Windows-System, die sogar noch über die Administrator-Berechtigungen hinausgeht. Um diese Datei zu bewegen muß zunächst deren Besitz übernommen, dann die Berechtigung "Full" für den aktuellen Windows-Benutzer hinzugefügt werden - erst dann kann die Datei umbenannt werden, denn im Falle eines Windows-Updates möchten wir die Aufgabe eventuell einmalig ausführen.

All dies Aktionen habe ich in Ermangelung einer endbenutzerkompatiblen Software in ein Batch-Script gegossen. Das Script ist als Administrator auszuführen. Laden Sie das Script herunter, öffnen Sie Ihr Download-Verzeichnis, rechtsklicken Sie auf die Datei CompatTelRunner_disable.cmd und wählen Sie aus dem Kontextmenü "Als Administrator ausführen". Den Rest macht das Script. Um eventuelle Fehlermeldungen zu interpretieren benötigen Sie aber einen erfahrenen Windows-Nutzer, den Sie sicherlich in Ihrem Bekanntenkreis finden werden.

Wichtiger Hinweis: Dieses Script greift in Ihr Windows-System ein. Erstellen Sie ein Image-Backup, z.B. mit dem kostenfreien Macrium Reflect, bevor Sie das Script anwenden. Ich gebe keine Garantie bezüglich Funktionsfähigkeit oder die berühmte "Anwendbarkeit für einen bestimmten Zweck".

Ich wünsche Ihnen einen telemetriefreien Windows-Genuss,

Ihr Markus Stenzel

 

Das Bild ist von Gerd Altmann auf Pixabay zur Verfügung gestellt worden!

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Der gläserne Mensch (Bild: Gerd Altmann / Pixabay)