Coole Tools (2)

Erstellt von Markus Stenzel |

die auf den zweiten Blick doch nicht mehr so cool sind. Eine kleine Serie der Enttäuschungen und falschen Erwartungen. Diesmal: Livescribe, die Brücke zwischen analoger und digitaler Welt.

Schon vor langer Zeit, nämlich im Jahre 2016,  schaffte ich mir für eine längere Fortbildung einen "Livescribe 3" an. Der etwas klobige Stift ist eine Brücke zwischen analoger und digitaler Welt. Es handelt sich um einen echten Kugelschreiber, der tatsächlich auf Spezialpapier schreibt. Ein Punktmuster auf dem Papier in Verbindung mit einer kleinen Kamera über der Mine sorgt für eine absolut millimetergenaue Feststellung der Position, an dem der Stift sich im Moment befindet. Die mathematisch genau positionierten Pünktchen, die mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar sind, bestimmen also Seite und Stiftposition.

Der Stift verbindet sich mit der Livescribe-App und überträgt die geschriebenen und gezeichneten Inhalte schwarz auf weiß auf das iPad. Eine mehr oder weniger mit meiner "Sauklaue" funktionierende Handschrift-zu-Textkonvertierung rundet das Bild ab. Ein Export aus der Anwendung ist im Format PDF jederzeit möglich, auch seitenweise. Damit kann man auf normalem, analogem Wege eine Mitschrift erstellen, die dann automatisch auf das iPad übertragen wird und den Teilnehmern eines Unterrichts oder einer Besprechung per E-Mail zur Verfügung gestellt werden kann.

Dabei hat der Livescribe den Vorteil, mit einer Batterieladung tagelang zu funktionieren, während ein iPad mit Stift nicht nur erheblich teurer in der Anschaffung, sondern auch wesentlich stromhungriger ist. Auch haben viele Leute wenig Verständnis für solch "neumodischen Kram". Ein Block und ein Kugelschreiber werden gerade bei älteren Leuten allemal akzeptiert.

Jetzt lobe ich den Livescribe über alle Töne und niemand versteht, wo die "Enttäuschungen und falschen Erwartungen" versteckt sind.

Das evidente Problem: Das Papier!

Der Livescribe funktioniert nur auf Papier mit dem originalen Livescribe-Punktraster. Was auch noch kein Problem wäre, wenn das Papier denn tatsächlich für einen humanen Preis verfügbar wäre. In der Tat versendet der Livescribe-Online-Shop seine Waren nur innerhalb der USA. Der Preis beträgt dort vernünftige US$ 24.99 (zur Zeit € 22,71) für vier DIN A4-Hefte liniert zu je 80 Seiten - zuzüglich Versandkosten. Das macht gerade einmal kanppe € 5,68 pro Heft. Für ein echt cooles Tool gebe ich auch gerne mal ein paar Euro aus, schließlich nenne ich ja auch etliche Apple-Geräte mein Eigen.

Da aber Livescribe nicht nach Deutschland versendet, hat man hier das Nachsehen. Nach dem Import nach Deutschland steigt der Preis (z.B. bei Amazon) auf satte € 44,67 für dieselben vier Hefte - das macht also €11,17 pro Heft oder US$ 49,15 für alle vier - nicht ganz der doppelte Preis, immerhin. Bei karierten Heften im Format DIN A4 wird die Situation noch krasser: Diese Hefte sind weder auf der Website des Livescribe Shops, noch auf Amazon überhaupt erhältlich.

Auch durch eine Google-Suche nach "Livescribe Papier A4 kariert" wird man kaum fündig, sieht man von einigen "Blüten" ab, wie z.B. der RUMASSHOP, der in seinem Impressum vollmundig tönt: "Hoffnung können wir einander verstehen. Alle Fragen bitte mailen Sie uns; Wir werden auf alle Umstände zu besuchen und gemeinsam mit Ihnen, es zu lösen." Der Shop firmiert wunderbarerweise unter der Webadresse: wohnwaerme-muensterland.de. Soso. (Warnung: Nichts dort kaufen!)

Obwohl vor kurzer Zeit noch ein modernerer, weniger klobiger Stift erschien, scheint auch Livescribe selber nicht besonders überzeugt zu sein, denn auch im eigenen Shop sind viele vor einiger Zeit erhältlichen Produkte verschwunden. Man sollte doch eigentlich glauben, daß wenigstens der Hersteller die gesamte Palette des Zubehör führen würde, aber weit gefehlt!

Bleiben noch die Distributoren!?

Livescribe gibt als Partner und Distributor für Deutschland die Firma Gravis an, aber auch dort: Fehlanzeige! "Nicht mehr im Sortiment" blinkt es von der Webshop-Seite. In einem Gravis-Store wird der Kunde vermutlich zu den viel teureren iPads mit Apple Pencil geschoben, denn Gravis ist auch Apple Distributor.

Fazit

Die Idee, einfach auf Papier zu schreiben und alles auf magische Weise auf das iPad zu übertragen, ist eigentlich sehr schön. Aber sich einen Livescribe-Stift, z.B. den Echo mit 8 GB Speicher für US$ 199,90 (mit Sprachaufnahmefunktion) zu kaufen (€ 181,71) oder den neuen, schlanken Aegir für € 109,99 anzuschaffen, um dann aufwändig alles aus den USA importieren, oder in zweifelhaften Webshops kaufen zu müssen, kann ich Ihnen beim besten Willen nicht empfehlen.

Und so geht auch mein "Livescribe 3" nach Aufbrauchen der Papiervorräte den Weg alles ird'schen: Ab in die (Elektroschrott-)Tonne.

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Livescribe 3 (Foto: Stenzel)