CISS: Ein Erfahrungsbericht

Trotz der fallenden Preise für Laserdrucker hat sich zumindest in meinem Privathaushalt der Tintenstrahldrucker als Ausgabegerät durchgesetzt. Diese Geräte haben viele Vorteile, z.B.:

  • Sie unterstützen mehr Papierarten als Laserdrucker, z.B. Briefumschläge in Sondergrößen
  • Höhere Auflösungen im Farbdruck
  • Geringerer Stromverbrauch
  • Geringere Anschaffungskosten

Aber auch die Nachteile sollen nicht verschwiegen werden. So haben Tintenstrahldrucker kleinere Papierkassetten. Dies ist allerdings im Privatbereich kein Problem – hier werden selten Massenmailings zu  tausend Seiten erstellt. Die meisten preiswerten Tintenstrahldrucker verfügen über mehrere Papierschächte, so daß auch der Privatanwender hier mit selbst designtem Briefpapier glänzen darf.

Den extremsten Nachteil aber teilen sich Laser- und Tintenstrahldrucker gleichermaßen: Der Preis für Verbrauchsmaterialien – ob Toner für Laserdrucker, oder Tinte für die – von ihren Besitzern liebevoll “Tintenpisser” genannten – Tintenstrahldrucker ist exorbitant. Als ob die Druckerhersteller die nötigen Billionen für eine bemannte Mondlandung sparen müßten – und zwar bis spätestens 2011!

Literpreise von über 4000 (viertausend!) Euro sind möglich, hat eine Untersuchung des “c’t Magazins für Computertechnik” festgestellt und eindrucksvoll in der “Teuer-Parade” vorgestellt. “Bei unserer Tinte handelt es sich um ein Hochleistungsprodukt; der Preis ist gerechtfertigt”, sagen die Hersteller – unisono.

Aber wie soll ich es mir dann erklären, daß ein Drucker zum Preis von 69,- Euro Tintenpatronen enthält, die im Regal gleich nebenan 72,- Euro kosten?

Die Lösung liegt natürlich in einer Mischkalkulation der Hersteller. Nehmen wir einen potentiellen Kunden, der plant, sich einen Drucker zuzulegen. Auf dem Markt konkurieren dutzende Hersteller mit vielen hundert Modellen. Womit kommt man bei einem deutschen Kunden am Besten an? Der Franzose kauft etwas, das gut aussieht. Der Engländer kauft das mit dem besten Service. Und der Deutsche orientiert sich ausschließlich am Preis. Da alle Drucker ungefähr dasselbe können und Service (für den Druckerhersteller) teuer ist, senken die Hersteller den Druckerpreis, indem sie die Verbrauchsmaterialien extrem verteuern und damit den Drucker sozusagen quersubventionieren. Das Geschäft mit Verbrauchsmaterialien geht ja auch viel länger, denn jeder Drucker braucht zu seinen Lebzeiten etliche Dutzend Tintenpatronen.

Kauft der Kunde kompatible Tintenpatronen, geht dieses Geschäftsmodell nicht mehr auf – die Hersteller verkaufen ihre Drucker dann weit unter Wert und mit Verlust – ärgerlich für die Aktionäre – oder den Vorstand, der sich rechtfertigen muß. Einige Druckerhersteller wählen den amerikanischen Weg mit diesem Problem fertigzuwerden: Mit Rechtsanwälten, die auf Basis von fragwürdigen Patentanmeldungen Mitbewerber in Grund und Boden klagen. Andere Firmen “verdongeln” ihre Patronen mit nicht kopierbaren Chips, der in regelmäßigen Abständen neu entwickelt wird – nämlich, wenn ein findiger Mensch den Chip “geknackt” hat und eigene, billige Chips verkauft, oder im Extremfall sogar ein Gerät verkauft, mit dem ein Chip auf seine Ausgangsstellung zurückgesetzt werden kann.

Ist so etwas geschehen, ist der Weg frei für das Thema des Artikels: Ein CISS.

CISS ist die Abkürzung für “Continuous Ink Supply System”, also eine “Unterbrechungsfreie Tintenversorgung”. Das Prinzip: Externe, riesige Tintentanks werden mit elastischen Schläuchen mit dem Druckkopf des Druckers verbunden und sorgen durch Kapillarkräfte für eine dauerhafte Tintenversorgung.

Fragen: “Warum sollte jemand so etwas wollen?”, “Das ist doch nur etwas für Profis”, “Ja, wenn ich viel drucken würde, könnte sich so etwas lohnen, aber ich drucke ja nur X”. Für die Antwort kommen wir zum echten Preis für 1 Liter Tinte. Die gibt es nämlich im Internet bereits für weniger als 30 Euro den Liter. Selbst wenn man an der Tintenqualität ein paar kleinere Abstriche machen müßte – wären diese Abstriche möglicherweise 3.970 Euro wert? Wohl kaum.

Mein “Canon Pixma iP4500″ hat schon mehr als zwei Jahre auf dem Buckel, laut Wartungsausdruck hat mein Kleiner am 29. November 2007 das Licht der Welt erblickt. Mein Kleiner ist ein Schütze! Süß!

Gekauft habe ich das CISS mit etwas Rabatt auf Ebay – aufgrund der Pläne, einen PayPal-Zwang einzuführen, eine leider aussterbende Möglichkeit. Kostenpunkt: Etwa 50 Euro, je nach Anzahl der Farben und Größe der Tintentanks kann der Preis sich hier aber auch deutlich unterscheiden. In die Tintentanks passen in meinem Fall 500ml, oder ein halber Liter Tinte. In den 50 Euro ist ein halber Liter Tinte aber bereits enthalten.

Das CISS kam vormontiert und befüllt an. Dies kann ich nur wärmstens empfehlen: das Befüllen und Entlüften der Patronen endet in einer gigantischen Sauerei. Das weiß ich aus alter Erfahrung, erstens beim Befüllen von Tintenpatronen und zweitens, nachdem ich an meinem CISS “herumoptimieren” wollte und Luft in den Tintenschlauch und die -Patrone geriet, was eine Entlüftung notwendig machte.

Als Hilfsmittel empfehle ich eine einfache Heissklebepistole (ab 15 Euro im Baumarkt), da eine stabile Montage durch die Unterschiede im Druckerdesign – der Trend geht zu geschwungenen, runden Linien – unmöglich gemacht wird. Man darf sich nicht auf Doppelklebeband verlassen:gerät der Tintenschlauch unter den Druckkopf und wird beschädigt, kann ist die Sauerei grenzenlos werden – ein neuer Drucker muß angeschafft werden.

Nach der Montage sollte der Drucker einige Stunden stehen gelassen werden, damit die Luftblasen eine Chance haben sich zu erheben. Danach erfolgen etliche “Große Reinigungen”, in denen Tinte en masse durch die Düsen gespritzt wird. Keine falsche Scheu, die Literpreise von 4000 Euro sind nicht mehr. In meinem Fall benötigte ich 21 (einundzwanzig!) “große Reinigungen” bis zur reibungslosen Operation.

Wenn so ein Schlauch in den Drucker hineinragt bedeutet das natürlich, daß die Klappe nicht mehr ordentlich zugeht. Abschneiden ist keine Lösung, das Ding war zu teuer. Fazit: Der Sensor muss kurzgeschlossen werden! Das ging bei mir am Besten mit einem Brotverschluss (EUR 1,49 bei ALDI inkl. 500g “Kernbrot Genuss”), den man sich einfach zurechtbiegt und in den Sensorschacht stopft. Möchte man doch mal einen Blick auf die Patronen werfen, kann man diesen Clip einfach rausziehen. (Das ist dieser gelbe Fleck im Foto, vorne rechts im Drucker)

Staub: Ja, das staubt natürlich rein. In einem sauberen Haushalt kein Problem. Bei mir allerdings (bin das exakte Gegenstück zu einem sauberen Haushalt) muss ich oft mit Druckluft pusten (etwa 4 Euro die Dose), weil ich sonst Angst habe der Drucker ginge kaputt und ich müsse dann wieder 4000 Euro für den Liter Tinte bezahlen. Hoffentlich eine Paranoia. Nicht das pusten.

Quellangaben:

2 comments to CISS: Ein Erfahrungsbericht

  • Dieter Wettig

    Hallo,

    ich habe mir ein vorinstalliertes CISS-System für den HP Officejet 7000 wide gekauft und installiert – war recht einfach bis dahin…
    NUR: zwei Farben blinken, zwei Farben sind ständig an,
    was den Drucker veranlasst, nicht zu drucken.

    Guter Rat ist teuer ?!?!?!?

    Gruß
    Dieter Wettig

  • admin

    Lieber Dieter,
    ich kann nur vermuten, daß der CHIP auf den beiden blinkenden Patronen nicht korrekt zurückgesetzt ist. (Daß die Farben in den richtigen Positionen eingesetzt sind, setze ich voraus!) Leider habe ich ja ein Canon-Modell – hier gibt es selbstzurücksetzende Chips, die sich bei jedem Einschalten des Druckers selber zurücksetzen. Hätte ich diese nicht, müßte ich nach jedem Einschalten die “Fortsetzen”-Taste dreimal betätigen. Dies ist gefahrlos, da die Tintenpatronen ja immer voll sind.
    Bitte kontrolliere doch zunächst bei deinem Händler, ob die Chips eine”autoreset”-Funktion haben – und wenn nicht, wie man die Fehlermeldung beim Drucker überspringt. Ein weiterer Erfahrungsbericht hier würde mich freuen.
    Gruss, Markus

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